Dauerausstellung der Samsonschule nun regelmäßig öffentlich zugänglich
Am Sonntag, 15. Februar 2026, startete die erste reguläre Wochenendöffnung der Dauerausstellung in der ehemaligen Samsonschule. Jeweils samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr begleiten ehrenamtliche Mitglieder des Freundeskreises Samsonschule Besucherinnen und Besucher durch Haus und Ausstellung. Bereits zum Auftakt erkundeten zahlreiche Interessierte die Ausstellung, blieben längere Zeit vor Ort und nutzten die Gelegenheit zu individuellen Fragen und Gesprächen.
Damit beginnt eine neue Phase für den historischen Ort: Das Wohnheim für Studierende und Auszubildende ist seit September 2025 in Betrieb, angemeldete Führungen durch die Dauerausstellung werden seit November angeboten. Mit der regelmäßigen Wochenendöffnung wird der Lern- und Gedenkort dauerhaft und unkompliziert erlebbar. Zutritt erfolgt über den historischen Haupteingang Neuer Weg 50, 38302 Wolfenbüttel. Für mobilitätseingeschränkte Personen steht der Aufzug am Leopold-Zunz-Platz 1 zur Verfügung (bitte vorher am Haupteingang melden).
In der Ausstellung wird die fast 250-jährige Geschichte der 1786 gegründeten Samson’schen Freischule, von der traditionellen Religionsschule bis zur staatlich anerkannten Realschule, erzählt. Dabei werden weit mehr als lokale Schulgeschichten behandelt: Anhand der Schule, ihrer Lehrer, Schüler, der Familie Samson als Schulträger sowie des Hauspersonals wird die Entwicklung des liberalen Judentums in Deutschland vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert nachvollziehbar. Thematisiert werden unter anderem die Epoche der Aufklärung mit Impulsen durch Gotthold Ephraim Lessing und Moses Mendelssohn („Nathan der Weise“) sowie die Entstehung des Reformjudentums. Ein Leitzitat von Leopold Zunz bringt den Anspruch auf den Punkt:
Die Geschichte der Samson’schen Freischule ist im Kleinen die jüdische Kulturgeschichte.
Zu den bekanntesten Schülern zählen Emil Berliner, Erfinder des Grammophons und der Schallplatte, sowie Leopold Zunz, Mitbegründer der Wissenschaft des Judentums. Das denkmalgeschützte Gebäude am Neuen Weg wurde 1896 eröffnet und bietet heute den authentischen Rahmen für die Auseinandersetzung mit dieser Geschichte. Die ehemalige Aula – heute Emil Berliner Saal – dient als multifunktionaler Veranstaltungsraum für Konzerte, Lesungen und Vorträge.
Trägerin des Lern- und Gedenkorts ist die Moses Mendelssohn Stiftung, die die Dauerausstellung wissenschaftlich verantwortet und kontinuierlich weiterentwickelt. Die Einrichtung der Dauerausstellung wurde kofinanziert durch die Stiftung Zukunftsfonds Asse.
Dr. Elke-Vera Kotowski, Chefkuratorin der Stiftung, betont:
Es freut mich sehr zu sehen, mit welchem Engagement Bürgerinnen und Bürger Verantwortung für diesen historischen Ort übernehmen. Dass die Dauerausstellung nun regelmäßig geöffnet werden kann, ist starkes Zeichen gelebter Zivilgesellschaft.
Der Freundeskreis Samsonschule entstand auf Initiative des Bündnis gegen Rechtsextremismus in Stadt und Landkreis Wolfenbüttel in Kooperation mit der Moses Mendelssohn Stiftung. Das Bündnis vereint Menschen, die sich aktiv gegen Antisemitismus und für eine pluralistische, demokratische Gesellschaft einsetzen.
Mit Mitteln aus dem Bundesprogramm Demokratie leben! im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Wolfenbüttel“ wurden erste Workshops unterstützt. Damit wurde eine Anschubfinanzierung für den Aufbau des ehrenamtlichen Engagements geschaffen, ganz im Sinne des Programms, das lokale zivilgesellschaftliche Initiativen für Demokratie, Vielfalt und Extremismusprävention stärken möchte. Heute wird der Freundeskreis rein ehrenamtlich getragen und organisiert die Wochenendöffnungen eigenständig.
Die Dauerausstellung ist ab sofort samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr kostenfrei ohne Voranmeldung zugänglich. Wer den Freundeskreis Samsonschule unterstützen oder selbst ehrenamtlich mitwirken möchte, kann sich unter Willkommen [ÄTT] Samson-Schule.de melden.